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Wie aus einer geplanten 3-wöchigen Balkan-Tour die 1-wöchige Magarac-Tour wurde
Magarac (kroatisch) = Esel
Wie kommt man darauf, eine Balkan-Tour zu machen (vor allem, wenn man eigentlich in die See-Alpen wollte) ??? Zum einen mag es daran liegen, dass ich selbst meine Wurzeln dort habe. Zum anderen schaut Rocco zu viele Dokus *griiiins* – aber es könnte auch daran liegen, dass der Balkan ganz einfach landschaftlich so vielfältig ist, dass man dort hin MUSS. Im Gegensatz zu den vielen Touristen, die sich per Auto oder Bus dorthin verirren, haben wir mit dem Motorrad auch ganz andere Möglichkeiten der Streckenplanung – da dürfen es auch mal Waldwege (geht klar) Schotterpisten (bitte nicht) oder Fluss-Durchquerungen (nie im Leben) sein. Wie sonst könnte man auf die Idee kommen, durch die Alpen zu fahren – also nicht „unsere“ Alpen, sondern die ALBANISCHEN??? Und nachdem wir in 2017 so begeistert davon waren, als wir nach der Anfahrt durch Österreich, Italien und Slovenien an der Küste Kroatiens entlang gefahren sind, war der Plan ganz einfach:- „direkte“ Anreise nach Venedig (4 Tage mit ein paar Abstechern über die Dolomiten, zum Comer- und Garda-See…)
- „kurze“ Fähr-Überfahrt nach Igoumenitsa/Griechenland (27 Stunden….)
- Boxenstopp vor der Grenze nach Albanien (oder auch nicht…)
- quer durch Albanien mit Abstechern nach (Nord-)Mazedonien (Anzahl Tage ungewiss…)
- über Montenegro an die Adria-Küste (wo genau ungewiss…)
- an der Adria-Küste entlang bis nach Istrien (Abstecher nach Bosnien und Insel-Hopping nicht ausgeschlossen …)
- von dort rauf nach Slovenien und über die Alpen wieder nach Hause (na klar, einfach wäre ja langweilig…)
Samstag, 25.08.2018 – Mopeds Packen

Sonntag, 26.08.2019 ca 9:00 Uhr
Das Wetter spielt mit – es regnet zumindest nicht – aber es ist schon recht frisch… Aber egal, wir sind hoch motiviert, alles wird gut. Durch die Schweiz bis nach Liechtenstein war es allerdings seeeehr mühselig. Wer schon einmal quer durch die Schweiz gefahren ist, der kann ahnen, wie ätzend das ist – alle paar Kilometer ein Dorf (bevorzugte Namen enden mit -„wiil“, über Land gerade mal 80 km/h, usw. In Liechtenstein Vesperpause eingelegt und ein Jäckchen angezogen (ja, ich bin ein Mädchen).
Das erste Highlight war dann die Auffahrt zum Splügenpass (2.113m), wo es mich in einer Kehre fast ausgehebelt hätte – aber hey, alles gut, Adrenalinspiegel angehoben und dann haben mir der eisige Wind und die Temperaturen (6°C) oben auf der Passhöhe auch nix mehr ausgemacht. Also auf der anderen Seite wieder runter und im ersten Dorf in spektakulärer Kulisse und bei schönstem Sonnenschein den ersten Cappuccino des Tages genossen – wir sind ja jetzt schließlich in Italien.
Kurz vor dem Ziel (am Comer See), nochmal eine kurze Pause – doch was ist nun los, Rocco´s Motorrad zickt beim Anmachen! Batterie? Hängt zu viel dran (Navi, Handy, usw) – ach was, alles gut, weiter geht´s zur Unterkunft „Baita dal Vikingo“ oberhalb des Lago di Como.
Die Anfahrt – abenteuerlich kann ich nur sagen! Die Straße vielleicht 3 Meter breit (also beide Spuren!) und die Kehren so eng, dass man das Moped am liebsten hinten anpacken und einfach um 180° rumlupfen möchte, damit man weiterfahren kann (ich werden heute Nacht Alpträume von der Abfahrt haben!). Doch dafür war die Aussicht oben absolut lohnenswert !
Die Unterkunft – funktionell. Abendessen – ok. Wirt – wortkarg, wie die Wikinger eben sind.
Rocco musste sich dann doch nochmal um´s Moped und die Batterie kümmern und er war doch eeetwas gereizt. Er hat dann doch gleich mal recherchiert, wo die nächste BMW-Motorrad-Werkstatt ist, damit wir er eine neue Batterie einbauen lassen kann – guter Start… hmmm, mal sehn, was das noch wird. Aber jetzt erstmal die Aussicht genießen.
Montag, 27.08.2018
Die Nacht war durchwachsen – ich wusste, dass mich der Gedanke an die Abfahrt wach halten wird! Aber auch Rocco hat wohl nicht so gut geschlafen,
denn er war morgens um 6:30 Uhr schon wieder am Moped und hat dran rumgeschraubt.
Wir haben eine Werkstatt ausfindig gemacht – dafür mussten wir zwar die Tour ändern, aber das ist ja nicht so schlimm. Wichtig ist, dass wir die Fähre pünktlich erreichen, damit wir endlich auf den Balkan kommen.
Leider mussten wir das Moped für die Weiterfahrt überbrücken, aber damit haben wir ja fast schon gerechnet. Und dass ich auf der Abfahrt hyperventiliere war ja auch klar – also alles im grünen Bereich.
Um schnell nach Sondria in die BMW-Werkstatt zu kommen, mussten wir uns dem Fahrstil der Italiener anpassen – Verkehrs- und Hinweisschilder sind dabei völlig irrelevant und werden sowieso total überbewertet.
An der Werkstatt angekommen (man beachte: eine BMW Motorrad-Werkstatt!)
mussten wir uns sagen lassen, dass die keine Batterien vorrätig haben, aber in der Nähe von Venedig sei eine Werkstatt, die sowas hat, also wenn wir ja sowieso dorthin unterwegs sind, dann könnten wir ja dort vorbei fahren…. Der Verkäufer war dann zumindest so gnädig, dort anzurufen und diese gleich zu „reservieren“. Ach ja, hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass weder Rocco noch ich italienisch sprechen? Dass das alles irgendwie auf englisch funktionieren musste? Nun, wir waren guter Hoffnung, dass das alles gut geht…
Also wieder rauf auf den Bock (Motor ist gleich angesprungen, immerhin) und Richtung Garda-See. Nachdem wir nach gefühlt einem halben Tag den Großraum Sondra endlich verlassen hatten (natürlich immer im Italo-Fahrstil) waren wir zumindest teilweise wieder auf unserer Route.
Tolle Strecke durch die Berge, wo wir dann aber dringend eine Tanke suchen mussten. In Eddo sind wir dann fündig geworden. Dort haben wir dann auch gleich an der Hauptstraße ein schattiges Plätzchen in einem schnuckeligen Café gefunden, wo wir einen leckeren Cappuccino und (natürlich) das obligatorische Hörnchen geordert haben.
Weiter ging es Richtung Garda-See, diesmal allerdings mühselig durch irgendwelche Industriegebiete. Dort angekommen wussten wir dann auch wieder, warum es uns nie an den Lago di Garda gezogen hat – wohin man auch blickt, nur deutsche Kennzeichen! Und der Verkehr: sehr anstrengend! Jeder freie Platz am Straßenrand, der zum Strand führt, wird als Parkplatz genutzt, egal ob andere Verkehrsteilnehmer dadurch behindert werden….
Aber egal, die Brasa-Schlucht wartet ja auf uns – die MUSS man mal gesehen haben (sagt man – sieht auf den Bilder aber auch wirklich spektakulär aus!). Also den See endlich rechts liegen lassen, links abbiegen Richtung Brasa.
Voller Vorfreude nehmen wir die erste Kurve und fahren in einen… STAU – aha – ok – was ist denn nun los, so viele Leute wollen da hin? Nee – Unfall – keine Durchfahrt möglich (glaub ich gleich, die Straße ist ja kaum 4 Meter breit…). Nun ja, dann soll die Schlucht heute also nicht der Abschluss des Tages werden, sondern morgen früh der Beginn. Also wenden und anhalten, damit wir die Route ändern können, da nach der Schlucht eigentlich die nächste Unterkunft gewartet hätte. Ach ja, und bloß den Motor nicht ausmachen, damit das Moped nicht wieder überbrückt werden muss…
Rocco hat ja wie immer auf unseren Moped-Touren die Unterkünfte gebucht und auch dieses Mal hat er sich etwas gaaaaanz besonderes einfallen lassen. Wieder mal durften wir Steigungen von 45° (gefühlt!) und enge Kurven von 190° (mindestens!) in die Berge hoch fahren – um vor einem TOR zu landen – von Hotel weit und breit keine Spur – arrrrghhhhh. Aber die Koordinaten sagen ganz klar, dass das GENAU HIER sein muss – aaaah ja. Das sind bestimmt mal wieder die Italiener, die es nicht immer so genau nehmen mit gewissen Dingen…auch nicht mit Koordinaten. Also wenden (na klar, auf gefühlten 4 Quadratmetern gar kein Problem) und wieder runter, um so richtig retro-mäßig ECHTE Menschen „in real life“ zu fragen, wo sich denn dieses Hotel befindet und wie man dahin gelangt.
Und was soll ich sagen, die Strapazen haben sich gelohnt – Rocco hat wirklich ein super Hotel mit einer phänomenalen Aussicht ausgesucht! Von hier oben sieht der See sooo schön und friedlich aus!
Der gesamte Komplex ist umzäunt, die Zimmer sind geräumig, die Empfangsdame war sehr zuvorkommend und sogar ein Pool ist vorhanden (haben wir jedoch nicht genutzt). Das Restaurant super, die (bzw. der) Bedienung freundlich, das Essen lecker und der Wein süffig (von letzterem gab es allerdings etwas mehr als geplant…uiuiui)
Trotz allen Widrigkeiten war es ein schöner Tag! Morgen sind wir dann in Venedig und übermorgen auf der Fähre – Balkan, wir kommen !!!
Aber HALT, fast hätte ich es vergessen – morgen früh wartet ja erst einmal die SPEKTAKULÄRE Brasa-Schlucht auf uns !
Dienstag, 28.08.2019
Ja, der Wein war gut… Manchmal vergesse ich leider, dass ich Alkohol nur in Maßen vertrage und so war der morgen etwas mühselig. Aber Kopf hoch, nach einem leckeren Frühstück waren wir schon um 8:00 Uhr ohne Rocco´s Moped überbrücken zu müssen (hoffnungsvoll!) auf dem Weg zur spektakulären Brasa-Schlucht. Spektakulär waren die 200 m dann auch wirklich, aber ehrlich gesagt hatte ich mir dann doch ein bisschen mehr davon erhofft… egal, wir waren dort, das ist es doch, was zählt, oder (oder nicht? oder wie?) Also weiter im Programm, die Fahrt durch die Bergdörfer war dann auch wirklich schön. Irgendwo im Monte Velo (echt tolle Strecke, eng und verschlungen und keine einzige Gerade!) fährt Rocco plötzlich recht ran, ohne zu Blinken. Nach einer Vollbremsung kam auch ich zum Stehen und wollte ihn schon so richtig zusammenstauchen, als er mir über Funk mitteilt, dass sein Display nun aus sei. Ok, kein guten Zeichen, aber nutzt nix, wir müssen weiter und tanken sollten wir auch. Eine Tankstelle war dann auch relativ schnell gefunden aber er hätte den Motor nicht ausmachen sollen! Das Moped verhält sich jetzt so, wie ein menschlicher Körper – alle nicht unbedingt notwendigen Funktionen werden nach und nach abgeschaltet…kein Licht, kein Blinker, kein Display. Nach dem Überbrücken läuft zumindest der Motor, also Notfall-Plan einleiten, schnellsten Weg zur Autobahn suchen, damit wir auf direktem Weg nach Venedig kommen. Auf der Autobahn kurz nach Verona bei 120 km/h auf der Überhol-Spur der nächste Funkspruch von Rocco „Tanja, wir müssen rechts ran, mein Motor ist soeben ausgegangen“ WHAAAT??? Nutzt nix, quer über alle Spuren also auf die Standspur, Warnblinker anmachen (zumindest ich), Warnweste anziehen (das konnten wir zum Glück beide) und ADAC anrufen (das hat Rocco allein geschafft) – da war es 11:00 Uhr. Nach einigem Hin- und Her mit dem genauen Standort (wie war das nochmal mit den Italienern und den Koordinaten?) kam um 12:00 Uhr dann tatsächlich der Abschlepp-Dienst.
Ein netter junger Mann, der zum Glück englisch gesprochen hat. Ganz klar, Batterie hinüber, also die 800er aufladen und ab zu nächsten Werkstatt. Und ich wie betäubt hinterher…
Unterwegs erzählte der junge Mann Rocco dann, dass ja gerade Mittagspause sei und die nächste Werkstatt erst wieder um 14:00 Uhr öffnen würde. Wir könnten jedoch unsere Sachen in seiner Lackiererei lassen, bis der Kollege wieder von der Siesta zurück ist und in der Zwischenzeit vielleicht im nächsten Ort was essen gehen. Klang nach einem guten Plan.
Als wir jedoch wieder in der Lackiererei waren, teilte der Chef uns mit, dass besagte Werkstatt leider Ferien hätte, seine eigenen Kollegen sich der Sache jedoch angenommen hätten und der junge Mann, der uns abgeschleppt hatte, bereits unterwegs sei, um geschwind eine Batterie zu organisieren. Bei uns wäre das wohl kein Problem, aber irgendwie gibt es da in Italien wohl ein anderes System – jedenfalls war das Auffinden und Kaufen einer Batterie ein größeres Problem als gedacht, aber um 15:30 Uhr war dann endlich eine da – juhuuuu.
Also geschwind Säure rein, weng warten und nachdem dann jeder Handwerker in dieser Lackiererei seine Meinung zu dem Problem geäußert hat, startete Rocco´s BMW mit einem satten „ROOOAAAARRRRRR“, das uns allen (einschließlich aller Mitarbeiter in dieser großen Halle) ein breites Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Nach gegenseitigem Schulterklopfen und aufrichtigen Dankes-Bekundungen (und das Begleichen der Rechnung für Batterie und Einbau) konnten wir unsere Fahrt dann um 16:00 Uhr fortsetzen – Urlaub gerettet !
Kurz vor der Unterkunft bei Venedig nochmal ein Tank-Stopp, da wir ja am nächsten Morgen gleich auf die Fähre mussten. Beim Aufsteigen dann – kein Ton von Rocco´s Esel (so hatten wir das Moped in der Zwischenzeit getauft) ! Oh nein, das gibt´s doch nicht, oder? Noch ein Versuch und dann sprang das Moped an – was war das? Zu früh gefreut? Die Zweifel steigen wieder, ob wir jemals auf die Fähre kommen werden. Aber noch läuft das Motorrad, also auf zur Unterkunft und dann mal sehn – die Hoffnung treibt uns an.
Das Venice Guest House war schnell gefunden, doch nachdem Rocco das Motorrad erneut starten wollte, um es richtig zu Parken und es dieses Mal wirklich „tot“ war, war endgültig klar, dass wir es auf gar keinen Fall wagen werden, damit auf die Fähre zu gehen und womöglich mitten in den Albanischen Alpen zu stranden… – was aber auch bedeutet, dass wir €480,– mal kurz als kleinen Verlust verbuchen mussten. Aber das war in dem Moment zweitrangig.
Luca, unser Gastgeber, war uns behilflich, die Werkstatt in Mestre anzurufen (die uns von der BMW Werkstatt Sondra empfohlen wurde – war das wirklich erst gestern?), ob wir am nächsten Tag dort aufschlagen können, damit das Moped richtig durchgecheckt wird. Klar war, dass wir unsere Tour nicht wie geplant fortsetzen können – aber wenn das Moped repariert würde, könnten wir ja wenigsten an der kroatischen Küste entlang fahren, durch Slovenien kurven usw. – das beste aus der Situation machen eben. Dafür müssten wir aber mindestens noch eine Übernachtung vor Ort buchen, was aber kein Problem darstellte. Unsere Gastgeber Luigina (Lu) und Luca waren wirklich super nett und hilfsbereit, das Zimmer perfekt und wir konnten abends draußen sitzen.
Auf unsere Frage nach Abendessen irgendwo in der näheren Umgebung meinte Luca, er könne uns Pizza organisieren – perfekt. Also Pizza geordert. Womit wir dann überhaupt nicht gerechnet hatten, war folgendes: Zur ausgemachten Zeit ging das Tor im Hof auf, Lu und eine ältere Dame trugen einen Tisch herein, hinterher 2 Stühle, haben eine Tischdecke aufgelegt, Gläser, Besteck und Getränke gebracht und zwei Teller mit den bestellten Pizzen !!!
Uns standen die Münder offen und wir waren sprachlos. Was ein Service! Da hat doch Luigina´s Mutter nebenan ein Restaurant, aber anstatt uns zu bitten, ins Restaurant zu kommen, haben sie das Restaurant mal schnell zu uns in den Hof gebracht! Die Krönung kam dann jedoch, als Luca noch eine Plane und Spanner brachte, damit wir die Motorräder abdecken können (die hat er geschwind im Bauhaus im nächsten Ort extra für uns gekauft…). So hat ein turbulenter Tag einen schönen Ausklang gefunden. Wir waren gespannt, was uns der nächste Tag bringt!
Mittwoch, 29.08.2019
Wie immer waren wir schon früh wach – auch deswegen, weil wir nicht wussten, wie sich alles weiter entwickeln wird. Nach dem Frühstück rief ich dann erstmal beim Hafen in Venedig an, um Bescheid zu sagen, dass wir nicht einchecken werden (ach ja, hatte ich erwähnt, dass sämtliche Konversation – außer zwischen Rocco und mir – durch MICH in englischer Sprache geführt werden musste :-/ ? ). Die Dame am Telefon meinte, ich könnte ja schon einen neuen Termin für die nächsten Tage buchen, dann wird einfach eine Umbuchung vorgenommen – leider musste ich das ablehnen, da wir ja zu dem Zeitpunkt noch keine Ahnung hatten, wie sich alles entwickeln wird. Zu meiner Überraschung meinte sie dann: „Ok, dann halten wir das Ticket offen und Sie haben ab heute ein Jahr lang Zeit, einen Ersatz-Termin zu buchen. Aber unter Umständen kann es sein, dass Sie einen kleinen Aufpreis zahlen müssen, je nach dem, wann Sie dann fahren möchten“. Oha, wieder ein bisschen Glück zwischendurch? Jaahaaa!!! Das hat die Stimmung dann erheblich angehoben und so sind wir relativ gut gelaunt und zuversichtlich zur Werkstatt gefahren (natürlich mal wieder nach dem Überbrücken des Motors – aber da hatten wir ja schon reichlich Übung darin). Bei Ceccato-Motors (BMW-Werkstatt!) in Mestre dann angekommen, haben wir das Problem so gut es ging erläutert (NICHT italienisch oder deutsch…). Der Meister hat dann auch tatsächlich die richtigen Schlüsse daraus gezogen und auf die Lichtmaschine getippt – da unsere Mopeds ja baugleich seien, sollten wir doch beide am besten da lassen. Der Plan war, die Lichtmaschine von meiner Prinzessin an Rocco´s Esel einzubauen – wenn der Esel dann anspringt, dann ist klar, wo das Problem liegt. Allerdings kann das schon den ganzen Tag dauern, also vor 16:00 Uhr könnten wir nicht mit einem Ergebnis rechnen. Der Plan klang ja wirklich schlüssig und war grundsätzlich auch ganz gut – bis auf die Tatsache, dass wir in Moped-Klamotten dort aufgeschlagen sind, den ganzen Tag nicht mobil wären und es erst 10:00 Uhr am morgen war. „Ach, gar kein Problem“ meinte der Werkstatt-Leiter gut gelaunt, „dort vorn ist gleich eine Bushaltestelle, da fahren alle 15 Minuten Busse nach Venedig – machen Sie doch in der Zeit Sight-Seeing auf unserer wunderschönen Insel! Die Helme und Jacken können Sie gern hier lassen !“ Hmmmm, wieso nur kam bei uns nicht so wirklich Begeisterung auf ? Nun ja, uns blieb leider nichts anderes übrig, also auf zur besagten Bushaltestelle –
wieso habe ich heute morgen nicht auf Rocco gehört und lediglich Jeans und Turnschuhe angezogen für die paar Kilometer, so wie er es gemacht hat? Aber ich konnte ja nicht ahnen, dass aus der Doku „Zwei Biker fahren in eine Motorrad-Werkstatt“ die Tragi-Komödie „Zwei Biker fahren mit dem vollbesetzten Bus in voller Motorrad-Kluft zum Sight-Seeing ins total überfüllte Venedig“? Aber alles Jammern nutzt nichts, jetzt isses so, also auf nach Venedig (wo wir NIE hinwollten!)
In Venedig angekommen war es erstmal gar nicht so schlimm – bis auf die ganzen Menschen. Zunächst hat sich alles in den Gassen verlaufen, doch mit der steigenden Sonne und Hitze stieg auch das Aufkommen. Bald war klar, dass ich mit den Stiefeln und der Moped Hose eingehen werde, also erstmal Shoppen: Schuhe, Rock und einen Rucksack nicht vergessen,
schließlich müssen ja Hose und Schuhe wieder mit…
aber natürlich nicht in den total überteuerten Touri-Läden, sondern auf irgendeinem Platz (gibt´s ja genug) an irgendeinem Stand (auch in Venedig haben sich die Inder etabliert). Guten Deal gemacht, zwischen zwei Ständen schnell mal umgezogen und schon war ich sight-seeing-tauglich angezogen (…).
So gerüstet konnte es also los gehen. Ja, wir waren natürlich auf der Rialto-Brücke und ja, wir
waren natürlich auf dem Markus-Platz und natürlich haben wir auch die vielen Kanäle bewundert.
Aber nein, wir haben keine Gondel-Fahrt
gemacht und nein, wir haben keinen überteuerten Cappuccino auf dem Markus-Platz getrunken. Aber die obligatorischen Fotos haben wir dennoch gemacht
Und gegessen haben wir auch 😉
ENDLICH konnten wir dann spätnachmittags wieder in den Bus Richtung Mestre und unseren Motorräder steigen!
Dort angekommen teilte uns der Mechaniker mit, dass tatsächlich die Lichtmaschine am Motorrad defekt sei und ausgetauscht werden müsse. Der Kostenvoranschlag lag bei ca 1.100,–€. Das Ersatzteil müsse bestellt werden (wieso zum Henker hat eine BMW-Motorrad-Werkstatt nicht die notwendigen Ersatzteile vor Ort? Das war ja schon in Sondra so!) und sie könnten uns nicht genau sagen, wann es bei ihnen eintreffen würde. Evtl. am Freitag, kann aber bedingt durch die Urlaubszeit und Wochenende auch erst Montag sein, da könnten sie uns nichts garantieren, vielleicht so, vielleicht so… (ja, die Südländer halt, gell). Wir haben erstmal kräftig geschluckt. Wollen wir wirklich soooo viel Geld ausgeben, dafür, dass wir (vielleicht) unsere Tour fortsetzen können? Und wollen wir wirklich unter Umständen bis Montag ausharren (und womöglich gezwungen sein, weiterhin Klischee-Tour zu mimen?)
Dann die Erleuchtung: wir sind ja ADAC-versichert! Also kontaktierte ich gleich mal den ADAC bezüglich eines möglichen Rücktransports des Motorrades / bzw. der Motorräder. Die Dame am Telefon meinte, ein Mitarbeiter des ADAC Italien wird sich der Sache annehmen und uns zurückrufen. Und da wir uns noch nicht festlegen wollten, ob Reparatur oder Rücktransport, baten wir die Werkstatt darum, das (auseinandergenommene) Motorrad noch für eine Nacht dort lassen zu können, wir würden uns am nächsten Morgen gleich melden. Mit der Hiobs-Botschaft im Gepäck machten wir uns also mit der Prinzessin zurück zum Guest-House, der Esel blieb zurück. Dort mussten wir nun zunächst klären, ob wir zur Not noch länger bleiben können – ja, bis Samstag kein Problem, aber dann wäre kein Platz mehr für uns. Also noch Luft (und Hoffnung)- jetzt erstmal Abendessen gehen bzw. fahren.
Während des Essens kam dann auch tatsächlich ein Anruf des Mitarbeiters vom ADAC Italien – er hatte sich abends noch mit der Werkstatt in Mestre in Verbindung gesetzt und diese hat ihm dann mitgeteilt, dass das Motorrad am Freitag fertig sein könnte (was sie uns gegenüber allerdings nicht mit Sicherheit sagen konnten!). Somit wäre das Fahrzeug innerhalb von 3 Tagen (theoretisch) wieder fahrtüchtig und wir könnten unsere Reise (theoretisch) fortsetzen und der ADAC würde uns die zusätzlichen Kosten für die Übernachtung während der Reparatur bezahlen. Wenn wir das nicht vor Ort reparieren lassen möchten, könnten wir selbst (!) einen Transport nach Hause organisieren und man würde sich bis € 500,– an den entstandenen Kosten beteiligen. Na super, woher soll ich denn geschwind mal einen Transport für 1 oder 2 Motorräder mit samt Gepäck in einem Land organisieren, dessen Sprache ich nicht spreche und wo ich niemanden kenne???
In der Zwischenzeit jedoch hat Rocco mit seinen Brüdern telefoniert / geschrieben und folgende Vorschläge wurden gemacht: 1.) Franco bringt uns eine neue Lichtmaschine und wir bauen sie vor Ort geschwind ein und dann können wir weiter fahren. 2.) Wir fahren am Samstg irgendwie bis Bozen, Gino & Ines kommen uns mit dem Auto-Anhänger entgegen, wir übernachten dort und am Sonntag geht´s zurück nach Hause. Schweren Herzens aber auch erleichtert darüber, dass wir eine vernünftige Lösung gefunden haben, entschieden wir uns für die zweite Variante. Doch zunächst einmal mussten wir unsere Gastgeber informieren, dass sie uns noch nicht loswerden und Roccoˋs Motorrad aus der Werkstatt auslössen
Donnerstag, 30.08 / Freitag 31.08.2019
Die nächsten beiden Tagen verliefen ein bisschen zäh…was soll man auch machen, wenn man irgendwo gestrandet ist, wo man eigentlich nicht wirklich hinwollte? Und zu zweit auf nur einem Motorrad? Wir waren nicht mal für den Strand gerüstet. Und Shoppen konnten wir auch nicht gehen – wohin auch mit dem Zeug, hat ja nirgends Platz… Am Donnerstag haben wir dann erst mal den Esel aus dem Stall geholt – die Sachlage erklärt, uns ganz herzlich bedankt, die Rechnung fürˋs Durchchecken gezahlt und mit geladener Batterie wieder zurück gefahren. Der Chef-Mechaniker hat uns noch Tipps gegeben, wie wir unsere Tour doch noch fortsetzen könnten – ungefähr alle 80-100 km anhalten, mein Moped laufen lassen und seine Batterie laden – na klaaaaar, das machen wir dann 2000 km lang, oder was, hahaha. Aber im Hinterstübchen haben wir das mal abgespeichert – wer weiß, wozu man das brauchen kann 😉 Am Freitag fuhren wir mit der Prinzessin zu zweit nach Chioggia, auch „Klein-Venedig“ genannt. Schon die Fahrt dorthin war ein Abenteuer. Wer selbst Motorrad fährt und dann gezwungen ist, eine längere Strecke als Sozius mitzufahren, der weiß sicherlich, wovon ich spreche. Vor allem, wenn Rocco meint, er müsse den Italo-Fahrstil anwenden – also überholen trotz Gegenverkehr („die werden schon Platz machen“), so dicht auf den Vordermann auffahren, dass man dessen Schweiß im Nacken sehen kann, Geschwindigkeitsbeschränkungen nur dann einhalten, wenn keine Carabinieri in Sicht sind usw, usw. Das Städtchen war dann auch wirklich ganz nett – bis es um die Mittagszeit anfing zu regnen.
Haja, nur ein Gewitter – dachten wir. Als es nach 1 Stunde immer noch geschüttet hat wie aus Eimern
und die Seitengassen schon alle überflutet und nur noch per Boot oder Gummistiefeln begehbar waren, überwältigte uns dann doch der Hunger und wir machten uns auf die Suche nach einem Restaurant oder Imbiss . Hinweise auf einer Tafel wie „Wir servieren deutsche Gerichte“ und „Wir sprechen Deutsch“ und „Touristen-Menü“ machten uns so gar nicht an, aber der Hunger und die Situation haben uns quasi in solch ein Touri-Restaurant gezwungen…muss man wirklich nicht machen! Dort verbrachten wir dann die nächsten zwei Stunden, denn es regnete immer noch wie aus Kübeln. Regenfahrten sind wir ja eigentlich gewohnt, aber wir hatten beide nur Jeans, Turnschuhe und die Sommer-Moped-Jacken an und das wollten wir uns dann doch nicht antun. Als es nachmittags um 15:00 Uhr dann endlich nur noch getröpfelt hat, sind wir dann losgefahren – Klein-Venedig mit einem bedrohlichen schwarzen Himmel über dem Meer im Rücken und vor uns fast wolkenloser Himmel bis zum Horizont, also ab ins Blaue. Unterwegs viele abgeknickte Bäume, überflutete Felder, aber wir hatten Glück und sind trocken im Guest-House angekommen. Dort erzählten wir Lu und Luca dann von unserem Tag – Lu hat dann ganz große Augen bekommen und meinte nur „Da habt ihr aber wirklich Glück gehabt – der Nachbarort von Chioggia wurde von einem Tornado heimgesucht, Dächer abgedeckt, Ernte verwüstet, Überflutungen angerichtet“ – okeeee, da haben wir dann doch mal kurz geschluckt, aber bei all unserem Pech bisher muss es ja auch mal ein bisschen Glück geben, oder?

Nach einem leckeren Abendessen in Mama´s Restaurant (also das richtige) haben wir dann unser bisschen Gepäck verstaut (wo zum Teufel haben wir das alles auf den beiden Mopeds untergebracht???) , Esel´s Batterie geladen und uns dann doch irgendwie auf die Rückreise gefreut.
Samstag, 01.09.2018
Nun gilt es – kommen wir bis Bozen, wie mit Gino ausgemacht für den Pick-up-Service, oder bleiben wir unterwegs liegen? Nach dem gestrigen Tag befürchteten wir schon, eventuell nass zu werden, aber das Wetter sah eigentlich ganz gut aus. Also Mopeds gepackt und nach einem herzlichen Abschied von Lu und Luca mit dem Versprechen, dass wir auch jeden Fall wieder kommen (schließlich wollen wir die Tour ja auf jeden Fall nachholen), fuhren wir los. Nach einer Stunde hielten wir dann an und haben die Mopeds nochmal verbunden, damit die Batterie geladen werden kann (wir hatten da den Tipp vom Mechaniker in Mestre in Erinnerung) und dann ging´s auch schon weiter.
Auf der Autobahn dann der obligatorische Stau – Stop and Go – und plötzlich zieht rechts auf der Standspur ein Schweizer auf einer Chopper an uns vorbei. Das war der Startschuss für uns, ab hinterher – selbstverständlich nicht zu schnell und immer wenn möglich wieder zurück auf die Fahrspur. Unterwegs fing es dann doch noch an zu regnen – zu viel Glück wäre uns ja auch zu Kopf gestiegen.
Umso mehr waren wir für das Standspur-Fahren dankbar, um einfach voran zu kommen. Kurz vor Bozen war dann aber nochmal ein Tank-Stopp fällig und bei der Gelegenheit auch ein Heißgetränk, denn mittlerweile wurde es auch schon ziemlich kalt (von den im Wasser schwimmenden Füßen ganz zu schweigen)
Endlich am vereinbarten Hotel angekommen, mussten wir feststellen, dass wir natürlich viel zu früh waren – Gino noch nicht da, aber auch die Rezeption nicht besetzt, alles abgeschlossen und wir völlig durchnässt – nur gut, dass es eine überdachte und bestuhlte Terrase gab, wo wir uns niederlassen und „abtropfen“ konnten. Nach gefühlten 2 Stunden kam dann Gino mit dem rettenden Hänger um´s Eck, der dann die glorreiche Idee hatte, im Hotel anzurufen und zu fragen, ob wir schon früher einchecken könnten, da sich bei ihnen auf der Terrasse zwei nasse Ratten niedergelassen hatten :-). Die Chefin hatte dann Erbarmen mit uns und so konnten wir uns aus den nassen Klamotten schälen und heiß Duschen, damit wir gesittet einen Abstecher nach Bozen machen konnten (im Auto!), um eine Kleinigkeit zu essen. Nach einem späteren leckeren Abendessen mit Ines und Gino im Hotel ging auch dieser Tag zu Ende.
Sonntag, 02.09.2019
So, am heutigen Tag endete unser Abenteuer. Nachdem wir das ganze Gepäck irgendwie ins Auto bekommen hatten (womit wir uns wieder gefragt haben, wo das alles auf den Mopeds untergebracht war…?) wurden die Motorräder auf den Hänger geladen und dann ging es ab Richtung Heimat.

